Die Lust aufs Anpacken und Mitgestalten war im gesamten Haus zu spüren: Am 12. und 13. Juni 2026 kamen im Volkspark Halle mehr als 1.000 Besucher:innen zusammen, um die Demokratie zu stärken. Was es dafür braucht? Zusammenhalt und Handlungsfähigkeit. Wie wir gemeinsam aufrichtig streiten und entschlossen handeln, darum ging es bei unserem Zukunftsfestival „Streit & Zuversicht“, veranstaltet gemeinsam mit der Stiftung Bürger für Bürger aus Halle und knapp 40 Organisationen aus der Region. In 56 Programmpunkten aus Live-Talks, Konzerten, Mitmach-Angeboten, Workshops, interaktiven Ausstellungen und Debatten standen in Sachsen-Anhalt kleine und große Herausforderungen im Fokus: Wie umgehen mit aktuellen Prognosen zur Landtagswahl? Welche Angebote zur Vernetzung gibt es in meinem Landkreis, Dorf oder Stadtteil? Wer hört meine Sorgen, wer sieht meine Motivation, Gesellschaft zu verändern?
Politiker:innen reden Klartext über Fehler und den Status quo der Demokratie
Erste Antworten auf diese Fragen fanden Teilnehmende und Organisator:innen an zwei Tagen mit reichhaltigem Programm, das auch prominente Gäste wie Sandra Maischberger, Robin Alexander und Dagmar Rosenfeld mitgestalteten. Außerdem feierte die erste „Fuck-up-Night für die Demokratie“ in Sachsen-Anhalt ihre Premiere: Im Rahmen des Formats berichteten Politiker:innen aus der Region von persönlichen wie beruflichen Fehlern. Am zweiten Abend kehrte unsere Debattenreihe „Streit & Zuversicht“, namensgebend für das Festival, mit der Leitfrage „Ist unsere Demokratie am Limit?“ nach Halle zurück. Im Garten des Volksparks diskutierten die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, Sachen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel, die Journalistin und Autorin Marieke Reimann, die Hamburger Kulturmanagerin und Kampnagel-Chefin Amelie Deuflhard und Alicja Orlow, Projektleiterin der Fokusregion Ostvorpommern in der Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost, mit der Moderatorin und ZEIT-Journalistin Anastasia Tikhomirova. In diesem und weiteren Programmpunkten klang an, dass der gemeinsame Konsens um das Verständnis von „Demokratie“ schon eine zentrale Herausforderung für deren Bewahrung ist – machen sich rechtsextreme Parteien doch auch die Bewahrung einer Demokratie zum eigenen Narrativ, während sie diesezugleich aushöhlen. Die Journalistin Tikhomirova fasste dieses Verständnis in einem Satz zusammen: „Demokratie fällt nicht einfach vom Himmel“.
Lokale Initiativen im Fokus: Rund 40 Partner:innen bringen Mitmach-Angebote zum Festival
Dass aber diejenigen mehr sind, die unter Streit und Zuversicht eine Gesellschaft in Vielfalt, Teilhabe, Zusammenhalt und Unterstützung sehen, wurde im Volkspark Halle an unzähligen Stellen deutlich. Über verschiedene Etagen brummte das einstige Gewerkschaftshaus vom Garten bis in den großen Saal. Besucher:innen und Speaker, Organisationen und Interessierte kamen zusammen bei interaktiven Angeboten wie dem „Perspekt-O-Maten“, an der „Lösungs-Station“ zur Entwicklung einer gemeinwohlorientierten KI, in Talk-Formaten, einer „lebendigen“ Bücherei, an mobilen Ständen von Wikimedia oder dem „Fab-Mobil“ oder beim Diskutier-Game „Revierdebatte“. Für Engagierte aus der Region stand eine kostenlose Antragsberatung zu Projektvorhaben zur Verfügung, ebenso wie die Vorstellung vieler erfolgreicher Initiativen aus der Gemeinschaftsinitiative „Zukunftswege Ost“ oder eine Diskussion mit der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Christiane Schenderlein. Unsere Ausstellung „Aktionslabor Redaktionelle Gesellschaft“ war ebenfalls vor Ort – und flankierte die facettenreichen Programmpunkte im historischen Großen Saal des Volksparks.
Konzert-Highlights von Jan Plewka und Alexander Scheer, Alli Neumann und Hannes Wittmer
In jenem Saal waren auch die kulturellen Highlights des Festivals zu sehen: Am ersten Abend zog der Singer-Songwriter Hannes Wittmer, ehemals bekannt als Spaceman Spiff, die Zuhörenden mit seinen nachdenklichen Songtexten zu Weltstatus oder mentaler Gesundheit in den Bann. In den Panels von Festival-Partnerin Arte waren Ausschnitte aus Dokumentationen über den Aufstieg der NPD in den 1960er-Jahren und zur Bewahrung von Frieden zu sehen. Parallel lud die Kunsthochschule Burg Giebichenstein zu Ausstellungen und einem Filmabend ein. Den großen Abschluss machte der Dreiklang aus den Musiker:innen Jan Plewka mit Band, Alexander Scheer und Alli Neumann. Gemeinsam und abwechselnd performten die extra für das Zukunftsfestival nach Halle gereisten Künstler:innen Songs von Rio Reiser und Liedermacher Gundermann zu großem Applaus.
JugendEngagementPreis geht an Kinder-Podcast
Zuvor war im kleinen Saal noch ganz jungen Entertainer:innen applaudiert worden: Hier wurde der JugendEngagementPreis bereits im 23. Jahr an junge Engagierte aus der Region verliehen. Den Publikumspreis überreichte unser Vorstandsvorsitzender Manuel Hartung an das Team des Landsberger Kinderpodcasts. „,Zuversicht‘ steht nicht ohne Grund im Logo des Festivals fett gedruckt. Mir haben diese Tage Zuversicht, Mut und Hoffnung gegeben. Und das liegt an den vielen Engagierten, die zusammengekommen sind“, so Manuel Hartung in seiner Laudatio. Genau das halte die Demokratie lebendig: Gemeinsam zu streiten, aber mit Zuversicht nach vorne zu blicken. Ein Gefühl, dass nach dem ersten Zukunftsfestival in Halle noch lange nachklingt.